Geschichte der FuRW / Anfang bis 1938

Es war einmal....,

so fangen nicht nur die meisten Märchen, sondern so fängt auch die Geschichte der heutigen Feuer- und Rettungswache Bergedorf an. Erstmals wird sie in einem Schreiben des damaligen Amtsverwalters Willebrandt vom 6.Dezember 1793 erwähnt, das allerdings auf einen Vorgang vom 7.Oktober 1793 verweist. Hier nun alle alten Schriften aufzuführen, würde wahrscheinlich den Rahmen des vorhandenen Speicherplatzes sprengen. Allerdings sollte der Auszug aus dem Protokoll der Deputation für das Feuerlöschwesen vom 6. März 1879 erwähnt werden:   

„Der Herr Vorsitzende verlas eine Mitteilung des Löschvorstandes von Bergedorf vom 5.ten März, dass dem Löschverbande ein Platz auf dem Bergedorfer Kirchhofe zur Erbauung eines Spritzenhauses, bedingungsweise unentgeltlich überlassen sei, und das Ersuchen, einen Situationsplan und den Riss des neuen zu errichtenden Spritzenhauses, welches ungefähr  6000,- kosten werde, zu genehmigen.“

Bevor hier nun auf die sogenannte Neuzeit der Bergedorfer Feuerwehr eingegangen wird, sollte man sich vielleicht noch kurz mit der Entwicklungsgeschichte befassen, die in einer Ausgabe der BZ beschrieben wird:

„Die Stelle der Feuerwehr vertraten im Mittelalter die Handwerker-Innungen und später die Bürgerwehr. Im Jahre 1794 beabsichtigte man, auf dem Marktplatz beim Pranger ein „Sprützenhaus“ zu erbauen. Aber die Anlieger erhoben gegen diesen Plan Einspruch, wodurch die Sache neun Jahre lang auf sich beruhen blieb. Endlich entschloss man sich im Jahre 1803, das „Sprützenhaus“ auf dem Mohnhof zu errichten. Es war 24 Fuß lang und 20 Fuß breit und enthielt u. a. die sogenannte Turnerspritze der Freiwilligen Feuerwehr; diese Wehr existierte von 1866 - 1877. Bei der Pumpe am Mohnhof standen vier Wasserkübel. Jedes Mal, wenn ein Gewitter heraufzog, versammelten sich die Spritzenleute auf dem Mohnhof und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Im Jahre 1829 bestand in Bergedorf eine Brand-Assekuranz, die sechs Feuerspritzen unterhielt. Nach der im Dezember 1850 neu revidierten Feuerordnung vom Jahre 1822 hatte bei einer Feuermeldung „Einer der Soldaten der vor dem Amtshause befindlichen Wache“ die Trommel zu rühren und damit durch die Altstadt zu gehen. Eine andere, im „Sprützenhause auf dem Mohnhof“ befindliche Trommel musste der erste dort ankommende „Sprützenmann“ schlagen und damit durch die Neustadt gehen. (Diese Trommeln waren Eigentum der Bürgermiliz; sie trugen die Jahreszahl 1733 und befinden sich jetzt im Hamburger Museum.) Ferner war die Sturmglocke zu ziehen, und die Nachtwächter hatten durch verstärktes Einstoßen ins Horn, durch Feuergeschrei und durch Anpochen an die Haustüren die Schlafenden zu wecken. Bis zum Jahre 1794 wurde die Öffentlichkeit von dem Ausbruch eines Brandes auch dadurch unterrichtet, dass die Schlosswache auf dem Schloßwall „in Breytschaft seyende Feuer-Stücke“ abbrannte. Die bekannten „Sechundvierziger“ sowie die „Schlöpfenführer“ (Führer von Schlitten zum Transport von Wasserkübeln) waren bei fünf Reichstalern Strafe schuldig, ihre Pferde anzuspannen und in den Brauerküfen, Oxhoften usw. das Wasser heranzufahren. Alle Fenster der Häuser waren solange zu beleuchten, bis das Feuer gedämpft war. Die Spritzenleute, im Volksmund auch als „Weißkittel“ in Erinnerung, wurden von einer Freiwilligen Feuerwehr abgelöst. Gründer derselben war der Korbmacher Heinrich Bartelmann, der auch später noch neben dem ersten Spritzenmeister Kupferschmied Mönnig und dem Brandmeister Johann Sager lange Jahre das Amt eines zweiten Spritzenmeisters innehatte .An Stelle der Freiwilligen Feuerwehr trat etwa 1870 die besoldete Feuerwehr. Dann wurde das Nachtwächter-Korps neu organisiert. Dieses bestand nach einer im Jahre 1880 erschienenen Instruktion aus sechs „Vollrufern“, die in den ersten drei und letzten drei Monaten des Jahres im Dienst waren. Sie hatten zur Verhütung größerer Brände und zu schnellen Entdeckung von Schadenfeuern mitzuwirken. Ihr Signal bestand aus drei Stößen in das Horn; und in plattdeutscher Sprache hatten sie dann, unter Nennung jener Straße, zu alarmieren, z. B. „--- Füür, Füür in de Holstenstraat!“. Die Nachtwächter, die auch die Stunde auszurufen hatten, erhielten ein Monatsgehalt von 21 Mark und jährlich ein Paar Stiefel. Das Spritzenhaus am Mohnhof bestand 78 Jahre; es wurde Mitte Dezember 1881 auf Abbruch verkauft. Bereits drei Jahre vorher, 1879, hatte der Kirchenvorstand dem Löschvorstand einen 113 qm großen Platz bei der Kirche (früher der Kirchhof) zur Errichtung eines Spritzenhauses mit Trockenturm überlassen; dieses Gebäude wurde noch im Sommer desselben Jahres errichtet. Vorher stand auf diesem Platz ein 1835 errichteter alter hölzerner Spritzenschuppen. 1882 überließ der Kirchenvorstand dem Löschvorstand einen weiteren Geländestreifen von 33,30 qm, auf dem ein Schuppen für die Unterbringung von Wasserkübeln, Feuerleitern und Haken gebaut wurde. Bei der Übernahme des Friedhofes durch die Stadt (1904) überließ die Kirche der Stadt diesen Platz, den sie bisher nur unentgeltlich pachtweise hergegeben hatte, zu Eigentum. Der Platz wurde 1912 von der Stadt gegen das sogenannte Organistenhaus auf dem Kuhberg getauscht. Das Spritzenhaus mit Trockenturm wurde 1913 aus Anlass des Neubaus des Pastorats abgebrochen. Die Geräte kamen in den 1892 erbauten sogenannten Magirusschuppen (zwischen Polizeiwache und dem Ritterschen Haus) sowie in das 1889 vergrößerte Spritzenhaus am Pool. Die Feuerwache in der Brauerstraße wurde gebaut im Jahre 1895 auf dem von der Witwe Drewes neben Mädchenschule angekauften 1076,3qm großen Grundstück. Ein Jahr später, am 1. Oktober 1896, wurde mit den feuerpolizeilichen Bestimmungen aus der „guten alten Zeit“ gründlich aufgeräumt und eine neue Feuerlösch-Ordnung eingeführt. Hand in Hand damit ging die Anschaffung zeitgemäßer Löscheinrichtungen. Vom Jahre 1896 datiert auch die gemeinsame Organisation der Nachtwächter und Feuerwehrleute. Sie bestand nach ihrer 10 Jahre später erfolgten Neuorganisation aus 13 Schutz- und Feuerwehrleuten, von denen vier nachts ständig an der Wache waren und bei einer Feuermeldung ausrücken mussten, während die übrigen nachts in acht Bezirken Patroulliendienst hatten. Dazu kamen als Reserve 35 Mann, die bei Großfeuer in Aktion traten. Die Wehr verfügte zu dieser Zeit über acht Handdruckspritzen, darunter sechs alte Holzkastenspritzen mit der sogenannten Bürgerspritze von 1848, und über zwei neuere Spritzen vom Jahre 1878. Ferner war etwa 2000m Schlauchmaterial vorhanden. Die Feuermeldeeinrichtung wurde im Sommer 1902 eingeführt. Im Jahre 1912 kam von der Hamburger Feuerwehr eine Dampfspritze hierher. Die Umbenennung der Nachtwächter und Feuerwehrleute in Polizei­wachtmeister und Feuerwehrmänner erfolgte im Jahre 1921.“

 

Im Jahre 1926 erfolgte dann der Ausbau der Feuerwache in der Chrysanderstrasse und die Errichtung eines vierstöckigen Schlauchturmes. Am 18. November 1926 versammelten sich die Vertreter der Behörden, um die neue Feuerwache ihrer Bestimmung zu übergeben. Wie aus einem Bericht der Bergedorfer Zeitung vom Samstag, den 13. November 1926 hervorgeht, wird bereits zu diesem Zeitpunkt die Einrichtung einer Berufsfeuerwehr verlangt.